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Der Mensch von morgen übernimmt Verantwortung

Über Leute die denken, gestalten, riskieren


Text von Friedl Gamerith

Was braucht unsere Region am dringendsten, um auf die Zukunft vorbereitet zu sein?

Sie braucht Menschen, die sich engagieren. Menschen, die etwas riskieren. Menschen, die es wagen ihre eigenen Gedanken zu denken, Ideen zu formulieren und sie umzusetzen. Menschen, die ihre eigenen Wege gehen und nicht darauf warten, dass „die anderen“, sei es Politik, Staat, Medien, Konzerne oder der Nachbar, reparieren, was nicht funktioniert.

Eine Gesellschaft, die auch in Zukunft Wohlstand, Arbeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und sozialen Frieden will, wird den Begriff „Eigenverantwortung“ konkret für sich definieren müssen. Es geht dabei nicht um ein „jeder kämpft für sich“. Es geht um die Einstellung, mit der wir unsere Arbeit verrichten, die Art wie wir unsere Kinder großziehen, wie wir unsere Alten pflegen, wie wir mit öffentlichen Geldern umgehen, mit Fördergeldern und staatlichen Einrichtungen, auf die wir glauben ein Anrecht zu haben. Die Errungenschaften des Sozialstaates sind, wie wir längst wissen, nur dann überlebensfähig, wenn wir sie alle mittragen statt sie auszupressen.

Empfängergesellschaft oder Gebergesellschaft?

Es tut uns nicht gut, zu einer Empfängergesellschaft zu werden. Das führt zu innerer Abhängigkeit und Handlungsunfähigkeit. Was wir sein sollten ist eine Gebergesellschaft. Das schafft innere Freiheit und Unabhängigkeit.

„Verantwortung übernehmen“ bedeutet, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und erkennen, wo man gebraucht wird – und entsprechend handeln. Es bedeutet auch, sich der Tragweite und Auswirkungen des eigenen Denkens und Tuns bewusst zu sein. Ich selbst bin davon überzeugt, dass ich den Schaden, den ich anderen zufüge, mir selbst zufüge - und dass ich mit dem Schaden, den ich mir selbst zufüge auch der Gesellschaft schade.

Zu einer guten Zukunft gehört eine funktionierende Wirtschaft. Darüber, wie die aussehen soll, wurde schon viel geschrieben und wird auch in diesem Forum noch ausführlich gesprochen werden. Eines aber steht fest: Sie braucht Innovationen. Sie braucht Menschen, die denken, gestalten, riskieren.

Denken lehren, nicht Gedachtes

Die Schweizer Zukunftsforscherin und Innovationsberaterin Monique R. Siegel glaubt, dass die Qualität der Zukunft von der Qualität des Denkens abhängt. Und: Es gehe um ein „Denken außerhalb vorgegebener Schemen“; darum, das Unkonventionelle zu wagen, nach neuen Lösungen zu suchen, „die Dinge neu anzudenken“. Kreativität sei gefragt, die Bereitschaft, sich Neuem zu öffnen.

Die derzeitige „Krise des Schulsystems“ ist mit Finanzspritzen allein sicher nicht abzuwenden. Die grundlegenden Anforderungen an Lehrer haben sich radikal verändert:
Laut Siegel bereiten die Lehrer der Zukunft die Gesellschaft auf das Ende der Vollzeitanstellung vor, sie bilden Selbst-Manager aus, neue Entdecker, Überquerer von Grenzen und Baumeister von Koalitionen. Bildung ist die Fähigkeit, Wissen richtig einzuordnen. „Die Lehrer müssen Denken lehren, nicht Gedachtes“.

Sozialkompetenz und Kommunikation seien die Schlüsselworte der heutigen Gesellschaft. „Es geht darum, für andere Menschen da zu sein.“ Neues Denken sei auch eine Herausforderung an Bildungsfachleute: „Die Fähigkeit zu Denken“ sollte die wichtigste Fertigkeit sein, die in der Schule gelehrt wird. Sicherlich keine einfache Aufgabe...

Heute sträuben wir uns noch gegen Veränderungen in der Arbeitswelt – oder lassen sie eben mit uns geschehen. Aber wir stellen uns ihnen nicht. Wir erwarten von der Politik die Lösung der anstehenden Probleme (die sie großteils gar nicht lösen kann), während sich der Einzelne scheinbar immer mehr aus seiner gesellschaftlichen Verantwortung zurückzieht.

Ein Unternehmergeist, der sich allerdings nicht auf wirtschaftliches Treiben beschränkt, ist vonnöten. Der Tag an dem wir erkennen, dass wir alle, bewusst oder unbewusst, die Welt mit unserem Denken, Tun und Lassen gestalten, wird der Tag sein, an dem ungeahnte Möglichkeiten sich uns eröffnen werden.


Friedl Gamerith ist Musiker und Gründer dieser Plattform.


Informationen zu Monique R. Siegel:
http://www.amazon.de/exec/obidos/search-handle-url/302-3124352-4340821?%5Fencoding=UTF8&search-type=ss&index=books-de&field-author=Monique%20R.%20Siegel

http://www.siegel.ch/

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