Was KÖNNEN wir, was HABEN wir, was BRAUCHEN wir, was WOLLEN wir?


Friedl Gamerith im Gespräch mit Sabina Schloffer
über Arbeit, Familie und Energieversorgung.



Friedl Gamerith:
Was sind für dich die 3 wichtigsten Fragen, die 3 wichtigsten Themen für eine positive Entwicklung der Region?


Sabina Schloffer:
Wichtigstes Thema ist die Schaffung von Arbeitsplätzen. Arbeitsplätze mit einem Lohnschema, das den Erhalt einer Familie auch für Alleinverdiener möglich macht.

Jetzt sind wir schon beim zweitwichtigsten Thema, der Familie. Derzeit ist der ländliche Bereich in diesem Punkt vor dem städtischen, dem urbanen, NOCH bevorzugt. Wir alle wissen, wie schnell die Entwicklung heute passiert und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird ein für beide Geschlechter zu lösendes Problem. Das Thema Großfamilie – Kinderbetreuung – Altenbetreuung ist ein pressantes und wir müssen dem ganz bewusst ins Auge schauen.

Und das dritte wichtige Thema ist die Frage des Energieverbrauches und der Energiegewinnung für das Südburgenland.

Friedl Gamerith:
Inwieweit kann hier etwas in der Region getan werden?


Sabina Schloffer:
Für mich ist die grundlegende Stärkung der Hausarbeit eine wichtige Basis für eine gesunde Entwicklung unter Besinnung auf seit Jahrtausenden gültige Werte. Hausarbeit muss aber nicht nur von Frauen gemacht werden! Nur wenn es einen Ruhepol in der Familie gibt, ist diese eine gute „Brutstätte“ für verantwortungsvolle, glückliche Erwachsene der nächsten Generation. Die jetzige Unruhe in vielen Familien sollte uns zu denken geben.
Denn Familie ist die kleinste Zelle der Gesellschaft und kann somit als Vorreiter für die Entwicklung des Weltgefüges gesehen werden. Mit der Wiederbelebung des Stellenwertes der Familie und mit einer eventuellen Senkung von Scheidungsraten würden wir eindeutig gegen den Trend steuern!

Friedl Gamerith:
Ein großer Teil der Familien würde nicht über Runden kommen, würde sie von einem Alleinverdiener versorgt, bzw. ist es auch Realität, dass es viele alleinerziehende Mütter gibt. Hast du da eine Idee?


Sabina Schloffer:
Das hab ich Anfangs schon erwähnt bei dem Thema: Schaffung von Arbeitsplätzen mit einem Lohnschema, das den Familienerhalt ermöglicht. Das heißt, all unsere Kraft und Kreativität soll und muss in Findung von Arbeitsplätzen fließen, die intelligente Produkte (wenige Rohstoffe, wenig Arbeitszeit) erzeugen. Ich möchte in diesem Zusammenhang ein paar gute Sätze aus einem Artikel des Magazins „brand eins“ wiedergeben. Das Thema der interpretierten Ausgabe lautete „Nie wieder Vollbeschäftigung. Wir haben besseres zu tun.“ Dabei ging es hauptsächlich um die Entwicklung der Kopfarbeit seit der Industrialisierung und den Auswirkungen der Erfindung von vielen Arbeitserleichterungen im täglichen Leben wie auch in der Erwerbstätigkeit. Zitat Georg Vobruba, Professor für Soziologien in Leipzig: „Mehr Effizienz hilft vor allem das Überleben jenes Faktors zu sichern, der im Sozialen eine so große Rolle spielt – der Moral. Die Würde des Menschen ist auch davon abhängig, ob das Gesetz der Arbeit – was kann ich für andere tun? – Widerhall findet, bzw. einen Markt.“ Hoffe, das regt zum Nachdenken an.

Ganz speziell auf den Bezirk Oberwart bezogen kann das heißen: was KÖNNEN wir, was HABEN wir, was BRAUCHEN wir, was WOLLEN wir?

KÖNNEN UND HABEN kann zusammengefasst werden. Unsere Betriebe und deren gut ausgebildete Mitarbeiter beweisen uns durch Anerkennung im In- und Ausland, dass wir wirtschaftlich viel auf die Beine bringen. Und wir haben trotzdem noch die grüne Lunge und eine harmonische, tolerante Lebensumgebung.

Wir BRAUCHEN Möglichkeiten, Energie zu erzeugen, um auch in diesem Bereich unabhängig zu sein. Wir brauchen mutige Unternehmer, die in unserem Bezirk investieren. Wir brauchen Abnehmer für all unsere Produkte und Dienstleistungen. Wir brauchen die Landwirtschaft. Und vor allem brauchen wir als Südburgenländer ein selbstbewusstes Auftreten!

Wir WOLLEN an uns glauben. Wir wollen unsere Kinder partnerschaftlich erziehen und sehen, wie aus ihnen glückliche Erwachsene werden. Wir wollen auf unsere Umwelt aufpassen und verantwortungsvoll sein. Wir wollen weniger Pendler.

Friedl, du erwartest von mir ganz konkrete Vorschläge für eine spezifische Lösung der Arbeitsmarktproblematik für den Bezirk Oberwart. So nach dem Motto: Was können wir anders, vielleicht sogar besser machen, um anderen Bezirken als Vorbild zu dienen? In Forschung investieren und unsere Bildungsstätten danach ausrichten, die Forschungsbetriebe mit dem nötigen, gebildeten Personal zu unterstützen. In Pinkafeld haben wir ein Technologiezentrum, die HTBL, sowie eine Fachhochschule. Dieses Technologiezentrum muss mit kreativen Jungunternehmern gefüllt werden. Vielleicht kann ein Forumleser uns über Ergebnisse informieren.

Friedl Gamerith:
Gibt es dieses kreative Potential im Burgenland? Könnte man mit dem kreativen Potential aus dem Südburgenland Technologiezentren füllen?


Sabina Schloffer:
Weiß das kreative Potential dass es gefragt ist? Dass es Unterstützungen und Möglichkeiten gibt? Gibt es diese jetzt schon? Sind die Schulen darauf vorbereitet, den jungen Menschen nicht nur Wissen sondern auch Selbstbewusstsein zum eigenen Können zu vermitteln?
Das wäre für mich ein schönes Südburgenlandprojekt. Wir glauben an unsere, in Ausbildung stehenden jungen Menschen! Wir sind davon überzeugt, dass sie einzigartig sind und Großartiges leisten können. Nachdem der Glaube Berge versetzen kann – vielleicht würde die entsprechende Schulung und Betreuung unserer Pädagogen Sensationelles bei unserem Nachwuchs bewirken. Und dann hätten wir neuartige Lösungsvorschläge für viele Bereiche unseres täglichen Lebens.

Friedl Gamerith:
Es gibt keine Region Europas, die nicht versucht Arbeitsplätze zu schaffen. Was soll oder kann Oberwart anders machen.


Sabina Schloffer:
Seit der Industrialisierung, sprich seit ca. 200 Jahren gibt es keine Vollbeschäftigung mehr. In Mitteleuropa wurde diese Entwicklung in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts unterbrochen. Das ist die Zeit, die bis heute als unverrückbares Ideal unserer Gesellschaft gilt: Das Wirtschaftswunder. Es stützt sich allerdings auf 60 Millionen Tote, der Opferzahl des 2.Weltkrieges. Davon müssen wir uns verabschieden. Vielleicht würde es uns allen besser gehen, wenn die Vollbeschäftigung nicht mehr als Damokles-Schwert über unseren Köpfen schweben würde. Wie wäre es mit dem hehren Ziel der „VOLLZUFRIEDENHEIT“ für Oberwart. Ich nehme an, das könnte die Lösung sein!

Friedl Gamerith:
Nun zum Thema Energie. Die Idee, sich als Land, Region bzw. Stadt energetisch unabhängig zu machen ist vielerorts ein Thema. Wie realistisch ist das für Oberwart und was müsste dazu getan werden?


Sabina Schloffer:
Der erste Schritt zur Energieunabhängigkeit ist die Einsparung des Energieverbrauches. Der andere ist z.B. die Errichtung des Biomassekraftwerkes in Oberwart. Der politische Weg dafür wurde geebnet. Dieses Biomassekraftwerk wird in der ersten Ausbaustufe Strom erzeugen, in der zweiten soll die Forschung für die Methanierung betrieben werden. Das heißt im Kurzverfahren: Aus Holz mach reines Methangas, welches in unser bestehendes Erdgasnetz eingespeist werden kann. Achse Güssing – Pinkafeld – Oberwart in der Forschung, Entwicklung und Realisierung. Wir haben dann aber die Verpflichtung, über Ortsgrenzen und politische Differenzen zu stehen und müssen wirklich gemeinsam das Ziel der Erzeugung von Methangas aus Holz verfolgen.

Friedl Gamerith:
Wie ist das heute?


Sabina Schloffer:
So wie ich das sehe, stehen wir noch nicht über unseren Grenzen und der politischen Meinungsvielfalt. Nur miteinander - nicht gegeneinander muss es in Zukunft heißen!

Friedl Gamerith:
Ist die Energieunabhängigkeit ein Thema der Politik in der Region?


Sabina Schloffer:
Ja, das kann man so sagen. Energieunabhängigkeit ist ein bisserl weit hergeholt. Ich bin mir aber sicher, wenn Güssing neben dem Methanforschungsprojekt in die Forschung der Treibstofferzeugung geht, dann können wir alle mitpartizipieren. Das kann die Region und vor allem die Landwirtschaft stärken. Wir müssen nur immer den biologischen Haushalt im Auge behalten. In Brasilien wird aus Zuckerrohr Treibstoff erzeugt. Um aber wirklich den Bedarf zu decken, müsste der Regenwald gerodet werden. Die Auswirkungen auf das gesamte Weltklima muss ich nicht erwähnen. Also, trotz aller bereits vorhandenen Erfolge in der Bioenergiegewinnung muss die Einsparung ein vorrangiges Thema bleiben. Gute Erziehung mit Vorbildwirkung!


Sabina Schlofffer ist Unternehmerin und Vizebürgermeisterin der Stadt Oberwart.

 


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