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Die Burgenländer finden immer eine Möglichkeit, weiterzukommen.
Ein Gespräch mit Dietmar Neubauer über
Zukunft und Chancen in Wirtschaft und Landwirtschaft.
Forum 2020:
Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft in der Region aus, was
ist das wahrscheinlichste Szenario?
Dietmar Neubauer:
Das hängt davon ab wie die Öffentlichkeit die Landwirtschaft
forcieren wird, d.h. wenn sich die Förderungen verringern
und es immer schwerer wird, kostendeckend das zu produzieren
was gebraucht wird, dann werden wahrscheinlich nur die besten
Böden
bebaut und die anderen werden möglicherweise verwildern,
bzw. einmal im Jahr mit dem Häcksler abgehäckselt.
Es wird darauf ankommen, wie lange die EU, bzw. der österreichische
Staat, die derzeitige Praxis fortsetzt. Schon ein Regierungswechsel
könnte die Lage schnell verändern.
Mit der EU werden Förderungen, z.B. ÖPUL, immer auf
sechs Jahre ausverhandelt. In den kommenden sechs Jahren wird
sich also nichts gravierendes ändern, aber was danach kommt,
ist die große Frage.
Aber ich persönlich glaube, dass durch Energieproduktion
wie Biogas, oder das Kraftwerk das in Pinkafeld gebaut
wird, neue Chancen für die Landwirtschaft entstehen. Hier
werden für die Produktion riesige Maisflächen gebraucht,
um über Vergasung Strom zu erzeugen. Auch Agrarlandesrat
Berlakovich hat das in seinem Programm – energieautarkes
Burgenland – und wird das auch fördern, was ich für
ganz vernünftig halte.
Es gibt ja in Güssing intensive Forschungen und Bestrebungen,
aus Holz Benzin zu produzieren. Die Frage ist, wann das kostengünstig
funktionieren wird. Wenn man hier Wärme, Gas,
möglicherweise Benzin produzieren könnte, dann
würde sicher eine große Fläche des Burgenlandes
aus der Nahrungsmittelproduktion in die Energieproduktion übergehen.
Forum 2020:
Wie ausgereift sind diese Technologien tatsächlich?
Dietmar Neubauer:
In Güssing ist man ja in der diesbezüglichen Forschung
im europäischen Spitzenfeld. Die Technologien existieren
bereits, nun stellt sich die Kostenfrage. Ob man schon kostendeckend
ist, das weiß ich nicht.
Forum 2020:
Gehen Sie davon aus, dass in Zukunft ein Großteil unserer
Lebensmittel aus Osteuropa kommen wird?
Dietmar Neubauer:
Ja, das war früher auch so. Schon in der Monarchie war Ungarn
die Kornkammer, wegen der großen Anbauflächen und
preisgünstiger Produktion, und ich glaube, dass das wieder
so kommen wird.
Forum 2020:
Glauben Sie, dass Bio- und Qualitätsnahrungsmittel als Nischenprodukte überleben
werden?
Dietmar Neubauer:
Ja, das werden Nischen bleiben. Laut Umfragen will ein Großteil
der Konsumenten Bioprodukte essen, tatsächlich ist es nur
ein verschwindender Prozentsatz, der Bio kauft. Die jungen Leute
kann man am ehesten dazu bringen, sich zu überlegen
was sie essen, aber die Grundtendenz ist: Es muss billig sein.
Wenn’s
dann auch noch Bio ist, dann wird es schon gekauft, aber in erster
Linie soll es günstig sein.
Das ist z.B. der Fall bei Biomilch in Supermärkten. Die
kostet nicht wesentlich mehr als konventionelle Milch und schmeckt
mir persönlich wesentlich besser. Die Kühe fressen
wahrscheinlich keinen Silomais, deshalb schmeckt die Milch so
gut. Aber die
ist eben auch relativ günstig.
Forum 2020:
Nun zum Thema Wirtschaft und Arbeit. Gibt es Ihrer Ansicht nach
genug Anreize für Leute mit Ideen, ins Burgenland zu kommen – und
vor allem im Burgenland zu bleiben, etwas Neues zu beginnen,
einen Betrieb oder eine Firma zu eröffnen?
Dietmar Neubauer:
Ich kann nur von meiner Sparte sprechen. Von Seiten der Wirtschaftskammer
wird den Jungunternehmern eigentlich schon geholfen, nämlich
durch spezielle Förderungen. Es passiert schon einiges.
Mit den Technologiecentern in den einzelnen Vororten wird ja
eigentlich ein Start ermöglicht, dort kann man sich das
know-how holen, kann Räume anmieten – das ist eigentlich
der richtige Weg für einen neuen Betrieb und wird über
etliche Jahre unterstützt. Ob das im Burgenland wirklich
mehr Unternehmer bringt, kann ich nicht beurteilen aber, es ist
sicher ein guter Weg.
Forum 2020:
Welche Herausforderungen kommen auf unsere Wirtschaft zu?
Dietmar Neubauer:
Es ist die Frage, wie weit, speziell für Dienstleistungsbetriebe,
die Gefahr besteht, dass durch die Öffnung der Grenzen ungarische
Unternehmen aus dem grenznahen Bereich hereinkommen. Das niedrigere
Lohnniveau gibt denen natürlich einen Wettbewerbsvorteil.
Einstweilen gibt es noch die Sprachbarriere. Die Dienstleistungsrichtlinie
der EU macht sicher früher oder später vielen Betrieben
Probleme, gerade in einfachen Servicebereichen. Zugleich gibt
es natürlich große Chancen für
burgenländische Unternehmen, den ungarischen Markt zu bearbeiten.
Das muss man aber wollen, das heißt man vergrößert
den Betrieb, man expandiert.
Forum 2020:
Interessiert es die Burgenländer, zu expandieren?
Dietmar Neubauer:
Einige wenige, soweit ich das mitbekomme, und vor allem wieder
die riesigen Firmen, die Banken, Versicherungen, die momentan
enorm von der Ostöffnung profitieren, die ihre Gewinne eigentlich
im Osten schreiben. In wieweit das unserer Region selber etwas
bringt, das ist die Frage, das weiß ich nicht.
Forum 2020:
Sie kommen ja viel herum. Wie sehen die Burgenländer ihre
eigene Zukunft?
Dietmar Neubauer:
Die Burgenländer sind doch eher ein ängstliches Volk
und sehen bald etwas nicht so rosig. Aber wenn ich ins nahe Niederösterreich
komme, höre ich immer wieder von älteren Leuten, wie
toll sich das Burgenland in den letzten 50 Jahren entwickelt
hat. Die waren irgendwann in den Sechzigerjahren im südlichen
Burgenland, da fuhr man teilweise noch auf Schotterwegen, und
heute blüht das Land auf. Es gab hier einen enormen Schub.
Wenn man an die Zukunft denkt, dann wird es möglicherweise
so weiter gehen, weil die Burgenländer im Grunde strebsam
sind und immer wieder eine Möglichkeit finden, weiterzukommen.
Dietmar Neubauer ist Unternehmer
und Landwirt in Oberschützen.
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