Nahversorgung – Investition in die eigene Gesellschaft


Text: Friedl Gamerith


Postämter sperren zu, Lebensmittelgeschäfte werden unrentabel, Fachgeschäfte weichen Großmärkten – unsere Städte und Gemeinden setzen weiterhin auf Einkaufs- und Industriezentren an der Peripherie. Was derzeit in Österreich passiert, hat Amerika schon vor Jahrzehnten erlebt und England in den Achtziger-Jahren. Die Briten haben die fatalen Fehler solcher Raumplanungskonzepte bereits erkannt und investieren wieder massiv in die verkommenen Innenstädte von Birmingham, Manchester usw. Umkehren konnten sie die Entwicklung damit allerdings auch nicht mehr.

Die kleinen Geschäfte und Lokale in den Zentren unserer Städte und Dörfer fungieren nicht nur als Nahversorger für die, die kein Fahrzeug zur Verfügung haben, sie haben eine Funktion, die wir erst jetzt, da es dem Ende zugeht, erkennen und zu schätzen wissen: Sie sind Kommunikationszentren und Angelpunkte unserer Gesellschaft. Hier trifft man Menschen aller Altergruppen und sozialen Schichten, hier spielt sich das eigentliche Stadt- bzw. Dorfleben ab. Hier entsteht das Gefühl von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit, das unsere Gesellschaft so dringend nötig hat.

Das Burgenland hätte als "Spätentwickler" die Chance, aus den Fehlern anderer zu lernen und intelligentere Strukturen zu forcieren. Das ist aber leider nicht der Fall. Wir kopieren geradezu zwanghaft den amerikanischen Weg, als ob wir keine andere Wahl hätten. Oder fehlen die Ideen?

Wir alle sind gefordert, zur Erhaltung dieser für unsere Lebensart immens wichtigen Strukturen beizutragen. Wer die zunehmende Entfremdung und Kommerzialisierung beklagt, der kann gleich im eigenen Dorf beginnen – nämlich zu investieren. Wer sein Geld in der Region ausgibt, der investiert in seine eigene Gesellschaft. Das gilt vor allem für regional erzeugte Produkte.

Wir sollten ernst machen mit „Nahversorgung ist Lebensqualität“ und dabei nicht auf die Politik warten, sondern unsere eigene Macht und Verantwortung als Konsumenten erkennen.

Haben wir doch den Mut, den vorgefertigten Konsummustern auszuweichen und in Qualität – und Lebensqualität – zu investieren!


Wer regionale Produkte konsumiert, fängt gleich mehrere Fliegen auf einen Schlag:

•Herkunft und Qualität des Produkts ist nachvollziehbar und überprüfbar.
•Der kurze Transportweg bedeutet eine Reduzierung des Verkehrs mit allen ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen.
•Hier kann ich mich (normalerweise) darauf verlassen, dass das Produkt unter fairen, d.h. menschenwürdigen Bedingungen, erzeugt wurde.
•Ich investiere in meine unmittelbare Umgebung und damit in die eigene Lebensqualität, den Wohlstand und die Sicherheit meiner Region.


Dieser Text soll an Zusammenhänge erinnern, über die die meisten von uns Bescheid wissen, die aber im im öffentlichen Diskurs ebenso wie im Alltag unseres Handelns noch viel zu wenig Platz finden.


„ Ich bin gespannt wie unser Dorf kommuniziert
wenn es seinen Nahversorger verliert...“







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