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Gedanken eines Volkswirtschafters


Text: Lukas Reiss


Kommen wir gleich zum wirtschaftlichen Hauptproblem des Südburgenlands. Es ist die Kombination der dörflichen/kleinstädtischen Struktur (bei einem sehr großen Grad an Zersiedelung) mit der großen Distanz zu den (ost-)österreichischen Zentren Wien und Graz. Dass es nicht einer der beiden Faktoren allein sein kann, sieht man an Vorarlberg (zwar keine wirkliche Großstadt in unmittelbarer Nähe, aber dafür relativ hohe Bevölkerungsdichte im Westen) bzw. beim Wiener Umland.

Szombathely (Steinamanger) ist zwar weitaus näher als Wien und Graz, allerdings auch um einiges kleiner; und die Entfernung zu den beiden Bezirkszentren Pinkafeld und Oberwart ist schon recht groß (ganz abgesehen von der derzeit noch bestehenden Sprachbarriere und der schlechten Verkehrsanbindung).

Ein großer Vorteil des Südburgenlands ist sicherlich die hohe Lebensqualität für Menschen ab 25 -30 Jahre. Dies macht den bei uns wachsenden Wellness-Sektor sehr interessant. Allerdings sollte dabei nicht auf die Konkurrenz aus Ungarn vergessen werden.

Die beiden im ersten Absatz genannten Faktoren führen allerdings dazu, dass es im Südburgenland für junge Menschen – insbesondere AkademikerInnen und MaturantInnen (mit Ausnahme von HTL-AbsolventInnen) – kaum Arbeitsplätze gibt. Die dadurch verursachte Abwanderung (vor allem nach Wien) ist nicht nur wirtschaftlich ein Problem, sie macht auch die Wahrung der (süd-)burgenländischen Identität schwerer.

Beim Thema „gesunde Landwirtschaft“ bin ich eher skeptisch, und zwar aus folgenden Gründen: Erstens ist das Südburgenland aufgrund seiner Topographie (sehr hügelig) für Landwirtschaft nicht so gut geeignet (dieses Argument gilt natürlich nicht für den Weinbau), insbesondere nicht für große Betriebe. Zweitens sollte nicht auf die durch die Erweiterung zunehmende Konkurrenz innerhalb der EU in diesem Bereich vergessen werden (insbesondere durch Polen und Rumänien). Die größte Schwierigkeit liegt allerdings in der großen Abhängigkeit von Förderungen seitens der EU. Gegeben den Liberalisierungsdruck durch die WTO (der vor allem von Entwicklungsländern ausgeht) und die derzeitigen Machtverhältnisse innerhalb der EU (sowohl im Bezug auf relative Stärke der Mitgliedsstaaten und der Parteien) wird sich die Förderlage für Klein- und Biobauern in absehbarer Zeit nicht verbessern. Auch deshalb weil eben diese Gruppen selbst innerhalb ihrer eigenen Standesvertretungen eine schwache Position zu haben scheinen.

Ein Punkt, über den auf jeden Fall ausführlichst diskutiert werden sollte, ist jener der Verkehrsanbindung nach Wien – eine schnellere öffentliche Verbindung wäre wünschens- und empfehlenswert. Die Anbindung per Zug ist derzeit reine Verschwendung von Steuergeldern, die besser für engagierte Initiativen wie jene in der Stadt Güssing (Biomasse) verwendet werden sollten. Der Bus von „Dr. Richard“ ist sowohl schneller als auch günstiger (und das meines Wissens nach ohne Subventionen). Ändern könnte sich das Ganze natürlich durch eine Bahnverbindung zwischen Oberwart und Szombathely (Steinamanger). Diese ist zwar schon geplant, aber als gelernter Österreicher/ Burgenländer weiß man ja, dass das noch sehr lange dauern kann. Hier sollte auf jeden Fall mehr Druck gemacht werden.

Dazu ergänzend sei zum Abschluss gesagt, dass die regionale Kooperation mit dem Komitat Vas (Eisenburg) auf jeden Fall ausgebaut werden sollte (ein zugegebenermaßen nicht sonderlich origineller Vorschlag).


Mag. Lukas Reiss, Jahrgang 1981, Litzelsdorf
HAK Oberwart / Studium der Volkswirtschaft an der WU Wien
und an der University Chapel Hill/North Carolina
derzeit Scholar am Institut für Höhere Studien / Wien







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